Simon Wegmüller

Behandlungsverlauf


Jeder Mensch ist ein einzigartiges Wesen. Um die Individualität eines Patienten kennen zu lernen, braucht es ausführliches, ein- bis zweistündiges Gespräch (Anamnese).

Das homöopathische Mittel wird nämlich nicht nach der eigentlichen Krankheit verschrieben. Die gleiche Krankheit kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausdrücken. Darum ist für den Homöopathen nicht in erster Linie der Krankheitsname entscheidend, sondern vielmehr versucht er die eigentümlichen Symptome just beim aktuellen Patienten zu erfragen. Oft sind dabei Symptome wichtig, die gar nichts mit der eigentlichen Krankheit zu tun haben.

Zu einer akuten Halsentzündungen (Angina) gehört zum Beispiel normalerweise das Symptom, dass der Patient Schmerzen hat beim Schlucken. Wenn aber genau diese Schmerzen durch die Einnahme fester Nahrung gebessert werden, so ist dies ein homöopathisch sehr gut brauchbares Symptom, weil es aussergewöhnlich ist. Der Homöopath versucht nun jenes Mittel zu finden, das bei der Arzneimittelprüfung am Gesunden genau diese sonderbare Schmerz-Verbesserung hervorgerufen hat.

Der Charakter des Patienten, seine Lebensgeschichte, sein Ärger und Kummer seine Freude oder Enttäuschung und die Krankheitsgeschichten aus seiner Blutverwandtschaft liefern ebenfalls wertvolle Hinweise zur Mittelfindung.

Der Homöopath unterscheidet in seiner Behandlung zwischen akut und chronisch. Eine akute Mittelohrenentzündung bei einem Kleinkind muss mit einem Akutmittel möglichst rasch gelindert werden. Oft findet sich beim betroffenen Kind aber eine Anfälligkeit für eben solche Erkrankungen. Richtige Heilung erfolgt erst dann, wenn der Homöopath ein Folgemittel verschrieben hat, dass beim Patienten die bestehende, chronische Empfindlichkeit aus dem Wege räumt und eine anhaltende Gesundheit mit sich bringt.